Bodybuilder beim Tai Chi Training

Vorletzte Woche waren unsere Nachbarn die Hardgainer-Crew aus dem Powerhouse-Berlin in der Sophie-Charlotten-Straße bei uns in der Zhen Wu Berlin zum Tai Chi Training zu Gast. Dabei ist ein klasse Video entstanden. Ihr findet den Clip auf Youtube auf dem Kanal der Hardgainer. Hier der Link…

Ich kann nur sagen, dass die Jungs alles feine Kerle sind und wir beim Dreh ordentlich Spaß hatten. Schon im Vorfeld war der Kontakt mit Vito sehr entspannt, ehrlich und professionell. Genau wie die anderen, Kevin, Danijel und Fabian alle auch super sympathisch und haben alles versucht mitzumachen, was wir uns für das Tai Chi Kennenlernen ausgedacht haben. Und egal wie gut der ein oder andere das hinbekommen hat, und jetzt kommt was generelles, es muss den Jungs hoch angerechnet werden, sich in den verschiedensten Sportarten und Kampfkünsten zu probieren und offen zu bleiben wie ihre speziell trainierten Körper in den jeweiligen Disziplinen funktionieren. Viele Sportler kochen ihre Suppe, bleiben unter sich und bauen Vorurteile über Dinge auf von denen sie keine Ahnung haben. In der Kampfkunst ist genau das fast die Regel, Ausnahmen sind leider selten. Aus meiner persönlichen Sicht kann ich sagen, dass ich mir nur eine Wertung/Meinung erlaube, wenn ich auch persönliche Erfahrungen gesammelt habe. Und generell empfehle ich jedem alles auszuprobieren und so viel zu testen wie es geht, natürlich zur richtigen Zeit. Lernen kann jeder immer etwas. Jeder findet seinen persönlichen Weg auf dem er sich bewegt. Wie man sich auf dem Weg verhält ist eine andere Sache.

Jetzt mehr zum Training mit den Jungs. Im Vorfeld hatte ich mir eine Menge Gedanken gemacht und war sehr gespannt wie und ob die Tai Chi Prinzipien bei großer purer Kraft (Li) funktionieren. Zu den Aufwärmübungen und Basisübungen (JiBenGong) möchte ich gar nicht so wirklich eingehen, da in jeder Sportart oder Kampfkunst eine spezielle Bewegungsgrundlage geschaffen werden muss und das braucht Zeit. Zumal sind neue und spezielle Übungen immer erst ungewohnt und der Körper braucht seine Zeit bis die Bewegungen/Techniken in das Muskelgedächtnis übergehen. Probieren, üben und dranbleiben ist da alles.

Interessanter waren die Übungen mit Partner und das freie Push-Hands. Das Push-Hands ist ein gutes Übungstool, um die Ausrichtung, Spannung, Gewichtung uvm. des Partners wahrzunehmen und dann damit zu arbeiten, also zu manipulieren (Ting -> Dong -> Hau -> Fa). Ist die Aufmerksamkeit nicht im ganzen Körper, entstehen Möglichkeiten den anderen zu destabilisieren. Eine Destabilisierung kann durch verschiedenen Dinge passieren. Beispielsweise über die Spannung im Körper. Zu viel Spannung, zu wenig Spannung oder das zu langsame Umschalten von Ent- und Anspannung. Ähnlich verhält es sich bei der Gewichtsverlagerung, Rotation oder auch der Kraft. Und von der Kraft war mit den Bodybuildern extrem viel vorhanden. Es war für mich sehr wertvoll einmal mit so viel purer Kraft arbeiten zu können und zu versuchen, die Tai Chi Prinzipien umzusetzen.

Im regulären Unterricht werden einzelne Aspekte oft gesondert trainiert, damit der Fokus genau auf diesem Prinzip bleibt und nicht zu sehr abgelenkt wird. Bei strukturellen Übungen beispielsweise, soll der Körper so ausgerichtet sein, dass eine einfach gerichtete Kraft mühelos abgeleitet oder neutralisiert werden kann. Im Normalfall funktioniert das auch mit Maximalkraft des Partners. Mit den Hardgainern ist da schon etwas an der Grenze gekratzt worden. Zwar war es schon noch möglich die große Kraft zu bändigen, allerdings denke ich, dass es mit etwas Übung immer schwerer wird. Zur Zeit wissen die Jungs noch nicht, wie sie ihre Kraft auf die Straße bringen. Wenn sie anfangen die immense Kraft aus den Armen und Oberkörper mit dem Zentrum und dem Boden zu verbinden, wird es meiner Meinung nach schwer, mit gewissen Konzepten, die Kontrolle zu behalten. Diese Menge an Kraft in einer vollen Bewegung ohne ein Lehnen mit festem Stand weich umzulenken, wird sehr anspruchsvoll. Alles natürlich nicht unmöglich, aber ich denke, viele fühlen sich in ihrem Umfeld wo sie trainieren wohl und bleiben dort. Alles ist irgendwie ähnlich und man kommt dort gut zurecht. Unter extremen Bedingungen zu testen, ob alles Gelernte auch noch wie gedacht funktioniert, kann ich nur weiterempfehlen. Sehr spannend und kann jeden nur weiterbringen.

Nochmal ein dickes Lob an die Jungs der Hardgainer-Crew über den Tellerrand zu schauen und danke für die Denkanstöße für mein eigenes Training.

Links der Hardgainer-Crew:
Facebook
Instagram:
Vito, Kevin, Danijel, Fabian